Blaupause | Irland

Irish Moos

Grundeinkommen für Künstler*innen

Es muss wohl ein kleines Paradies sein. An der Südwestküste Irlands, der »Grünen Insel« im Westen Europas, liegt das noch etwas grünere Glenkeen Townland und der gleichnamige Landschaftspark Glenkeen Garden. Einst angelegt von der inzwischen verstorbenen Unternehmerin und Fotografin Ulrike Crespo, dient er heute Stipendiat*innen der Crespo Foundation als Refugium für eine Artist Residence, wo Künstler*innen fernab in der Ruhe Irlands ihrer Kunst nachgehen können. Die dort waren, wie etwa das Offenbacher Künstler*innenpaar Carolin Liebl und Nikolas Schmid-Pfähler, berichten von einem der schönsten Orte überhaupt, andere von einem »Paradies für Kulturschaffende«; zumal auch noch im Rahmen dieses Stipendiums. Das Ergebnis der »Glenkeen Garden Residencies: ArtNature/NatureArt« sind hochwertige Ausstellungen, die jedes Jahr in Frankfurt und Irland präsentiert werden.

Nicht nur wegen dieses ungewöhnlichen Stipendienprogramms ist die Grüne Insel ein guter Ort für Kulturschaffende. In diesem Jahr hat das Kulturministerium ein weltweit wohl bisher einzigartiges »Basic Income for the Arts«, ein Bedingungsloses Grundeinkommen für Künstler*innen, eingeführt. Ab September erhalten 2.000 Künstler*innen, die in Irland ansässig sind und vornehmlich dort arbeiten (die irische Staatsbürgerschaft ist keine Voraussetzung) 325 Euro pro Woche ausbezahlt, also gut 1.300 Euro jeden Monat. Das Einkommen, das für drei Jahre gezahlt wird, soll ihnen ein unabhängigeres künstlerisches Schaffen fernab von Existenzängsten und artfremden Tätigkeiten ermöglichen. Bewerben für das Grundeinkommen können sich hauptberufliche Künstler*innen. Für den ersten Zyklus bis 2029 wurden aus gut 8.000 qualifizierten Bewerber*innen 2.000 per Los ausgewählt. Für den nachfolgenden Zyklus bis 2032 können sich die glücklichen Gewinner*innen nicht direkt wieder bewerben, sondern erst wieder ab 2032.

Irlands Kulturminister O’Donovan betonte bei der Präsentation des Programmes ausdrücklich, dass dies der Wertschätzung der Arbeit der Kulturschaffenden für die Gesellschaft diene und gerade die besonders oft unter prekären Bedingungen produzierenden Künstler*innen unterstützen solle. Dem nun verstetigten Projekt ging zuvor ein dreijähriges Pilotprojekt voraus. Begleitende Studien hatten ergeben, dass sich das Modell offenbar auch für beide Seiten rechnen würde. Die Kulturschaffenden würden produktiver, ihre Psyche wäre stabiler und sie müssten weniger Nebenjobs annehmen. Staat und Gesellschaft erhielten der Studie zufolge hingegen einen Return von 1,39 Euro für jeden investierten Euro, u.a. durch geringere Sozialausgaben. Gekostet hatte das Pilotprojekt ursprünglich rund 72 Millionen Euro. Nicht von ungefähr soll das Programm mittelfristig auf mehr als 2.000 Künstler*innen ausgeweitet werden. Weltweit dürfte Irland damit eine der progressivsten und umfangreichsten Kulturförderungen besitzen. Allerdings gab und gibt es auf der Insel auch sonst viel Engagement für die Kultur. Schon bisher ist in Irland ein Einkommen von 50.000 Euro für Künstler*innen steuerfrei – zumindest, wenn sie es denn erreichen … (sfo.).

 

 

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Das Pilotprojekt lief von 2022 bis 2025 und wurde durch die Studie »Cost-benefit analysis for the Basic Income for the Arts« begleitet (Link).

Zum Thema:

Künstler*in in Schweden

 

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