Als sich im Dezember 2024 die Türen der Station Mitte für den Tag der offenen Türöffneten, erhielt ich einen ersten Eindruck davon, wie sich dieser Ort einmal anfühlenkönnte. Wo früher das Einkaufen die Hauptrolle spielte, wurde diskutiert, gelacht,Karaoke gesungen und mit 3D-Druck experimentiert. Die Energie, die an diesem Tagherrschte, war nicht zu übersehen: Überall Menschen, die spontan miteinanderdiskutierten, Ideen auf Zettel schrieben oder vor der Selfiebox posierten.Die Menschen, die mit Vorfreude das Gebäude verlassen haben, haben mir gezeigt,dass die Stadt diesen Ort braucht – einen Dritten Ort, offen, einladend undniedrigschwellig, der zum Raum der Begegnung, des informellen Austauschs und desgesellschaftlichen Zusammenhalts wird.Ich werde oft gefragt: Was ist eigentlich das Besondere an der Station Mitte? DieStadtbibliothek gibt es schließlich schon – und vieles von dem, was am Tag der offenenTür zu erleben war, gibt es dort bereits. Ein Teil der Antwort liegt auf der Hand: mehrPlatz, mehr Möglichkeiten zum Lernen und Arbeiten, ein größeres Raumangebot fürVeranstaltungen und neue Formate. Aber aus meiner Sicht liegt die eigentlicheBedeutung dieses Projekts nicht allein in der Größe des neuen Standorts.Was mein Team und mich wirklich antreibt, ist eine andere Idee: Das eigentlicheHerzstück der Stadtbibliothek in der Station Mitte soll die Kooperation mit anderenAkteuren der Stadtgesellschaft sein. Wir sind überzeugt, dass unsere Bibliothek mehrsein kann als ein Dienstleister für Medien und Informationen. Sie kann und soll einöffentlicher Ort werden, der Menschen miteinander verbindet und unterschiedlichePerspektiven zusammenbringt.Der Begriff des „Dritten Ortes“ beschreibt genau das: einen öffentlichen Ort, der wederZuhause noch Arbeitsplatz ist und in dem zwanglose Begegnungen stattfinden können.Die Institution Bibliothek bringt dafür ideale Voraussetzungen mit – sie offen für alleund konsumzwangfrei, politisch neutral und genießt hohes Vertrauen. Aber das großePotenzial entfaltet sich meiner Meinung nach erst, wenn die Bibliothek die Grenzenihrer eigenen Institution bewusst überschreitet.Was das konkret bedeutet, sehen wir im Kleinen schon heute: Soziale Träger, diepunktuell im Haus präsent sind, senken die Hemmschwelle für Menschen, dieinstitutionelle Angebote oft meiden. Bildungseinrichtungen, die Räume undVeranstaltungsangebote nutzen, bringen neue Besucherinnen und Besucher – undumgekehrt. Kreative Initiativen machen aus dem Bücherturm einen lebendigenTreffpunkt, an dem etwas entsteht und Menschen ins Gespräch kommen. Jede dieserPartnerschaften ist für sich wertvoll. In ihrer Kombination miteinander aber entstehtetwas, das die Bibliothek alleine nicht schaffen kann: ein Ort, der der Stadtgesellschaftwirklich gehört, weil er von ihr mitgestaltet wird.So sehr mich diese Perspektive begeistert – intern liegen noch einige Aufgaben vordem Team. Schon jetzt müssen wir die Weichen für eine gelingende Organisation amneuen Standort stellen. Aus zwei Häusern wird ein großes, und diePartnerorganisationen kommen hinzu.
Die eigentliche Herausforderung liegt in der Gestaltung des Übergangs: dasBestehende aufrechterhalten, das Neue mitdenken und sich dabei nicht zu verzetteln.Diesen Spagat zu meistern verlangt Struktur, viel Kommunikation und ein gemeinsamesVerständnis davon, wohin wir wollen – bietet aber auch eine große Chance: dieBibliothek gemeinsam weiterzuentwickeln und noch stärker als Teil derStadtgesellschaft zu verankern.Der Tag der offenen Tür hat uns darin bestärkt, den eingeschlagenen Weg weiter zugehen. Die Resonanz motiviert uns, macht aber auch deutlich, welche Verantwortungmit diesem Projekt verbunden ist.Wenn es gelingt, die unterschiedlichen Partner, Initiativen und Menschen dauerhaftzusammenzubringen, entsteht hier ein Ort, der weit über eine klassische Bibliothekhinausgeht. Genau darin sehe ich das besondere Potenzial der Station Mitte und ichfreue mich darauf, diesen Ort gemeinsam mit den Offenbacherinnen und Offenbachernzu gestalten.

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