Tauschen und Second Hand

Wieder gebraucht

Von einer Hand zur anderen

Bewahren ist das neue Wegwerfen. Ganz im Zeichen dieser Philosophie stehen zwei Läden in Frankfurt. In Niederrad können Waren, die man nicht mehr braucht, gebracht, und solche, die man braucht, einfach mitgenommen werden. In Griesheim sammelt Neufundland Gebrauchtes, repariert es und verkauft es wieder für kleines Geld. Beide sind nicht auf Profit ausgerichtet. 

Keine Einkaufsmeile, kein schickes Innenstadtquartier. Ein eher schmuckloser Laden im Frankfurter Stadtteil Niederrad, weit vor der Innenstadt. Und doch bilden sich an diesem Wochenende Schlangen. Nicht, um eine angesagte Uhr zu erstehen oder irgendein Sternchen zu treffen. Es sind Schlangen von Menschen, die mit, nun ja, völlig alltäglichen Dingen wie Mixer, Büchern oder Kinderspielzeug vor dem Laden anstehen. Ja: anstehen. Doch nicht, um etwas zu ergattern. Sie wollen etwas abgeben. Gebrauchte Möbel, Haushaltsgeräte, Kleidungsstücke. Und ab und zu kommt auch noch jemand mit einer gebrauchten Stehlampe oder einem Radio wieder heraus.

Die »Teilerei« ist kein Kaufhaus. Mit dem Fokus auf Nachhaltigkeit, reflektiertem Umgang mit Ressourcen und dem Prinzip des solidarischen Handelns startete dieser »Umsonstladen« vor gut zwei Jahren. Er findet sich im Erdgeschoss des genossenschaftlichen Wohnprojekts »Be Trift«, eines Mehrgenerationenhauses. Nur rund 30 Quadratmeter, direkt zur Straße, gleich gegenüber der Straßenbahnhaltestelle. Nicht nur heute bilden sich zu Öffnungszeiten lange Schlangen. Das Konzept: Jede/r kann etwas abgeben, jede/r kann etwas mitnehmen. Das Projekt ist aus einer studentischen Initiative heraus entstanden. Und die Studierenden und Freiwillige sind es auch, die die Waren entgegennehmen und hübsch in Regalen oder einfach im Raum einrichten. Und die Teilerei ist mehr als ein Tauschladen. Mit ebenfalls eingesammelten Tisch- und Sesselchen einladend eingerichtet, ist sie auch ein Ort, der Begegnung schaffen möchte. Es steht die Idee des Teilens als eine Form des Miteinanders im Mittelpunkt und soll zu einem lebendigen Prozess beitragen, der Menschen und Dinge zusammenbringt und die Weiternutzung von scheinbar Überflüssigem möglich macht – ohne ein ökonomisches Interesse.

Die Idee, Dingen ein zweites Leben zu schenken, breitet sich immer mehr aus. Das Secondhand-Warenhaus »Neufundland« in Frankfurt-Griesheim ist auch so ein Ort. Nur in diesem Falle ist es eine Lagerhalle zum Stöbern nach allerlei Dingen. Auf rund 800 Quadratmeter ist alles sorgfältig sortiert. Es gibt Möbel, Gebrauchsgegenstände für den Haushalt, Textilien, Elektrogeräte, aber auch nach Themen vorbereitete Tische, von Sommer bis Weihnachten. Zwei Bereiche stechen heraus: ein ganzer Raum mit Elektrogeräten vom Fernseher bis zur Waschmaschine sowie ein großes Sortiment gebrauchter Fahrräder. Beides wurde gespendet und teils auch direkt abgeholt, in der hauseigenen Werkstatt durch Mitarbeiter überprüft, gebrauchs- und verkehrstauglich gemacht. Überhaupt sind alle Waren bei Neufundland gespendet und variieren naturgemäß von Tag zu Tag. Und verkauft werden sie hier dann für »kleines Geld« wieder. An Menschen, die neu kaufen wollen oder zuweilen auch nicht können …

Träger des Secondhand-Kaufhauses ist die »GWR – gemeinnützige Gesellschaft für Wiederverwendung und Recycling«, die im Stadtteil daneben auch das Recyclingzentrum Frankfurt betreibt. Einkauf ist dort nicht nur für Menschen in finanziell prekären Lebenslagen möglich, sondern für jedermann und jedefrau. Darüber hinaus verbindet das Griesheimer Secondhand-Warenhaus den ökologischen Aspekt mit sozialem Engagement. Für arbeitssuchende Menschen gibt es die Möglichkeit, über qualifizierende Maßnahmen einen Neustart ins Berufsleben zu finden. Der Betrieb bildet auch Einzelhandelskaufleute oder Lagerist*innen aus. Und: Er holt große und sperrige Dinge auch direkt und selbst ab. Zumindest Frankfurter*innen haben die Möglichkeit, sich über die Homepage der städtischen FES neben dem normalen Sperrmüll auch Großgeräte durch die GWR abholen zu lassen. Und zwar aus der Wohnung. Zustand: egal. Alles, was noch funktioniert, findet man dann wenig später im Laden wieder … (alf.).

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