Elena Kotikova und Nikolai Muck

Die Verbindenden

Ein Zuhause mit Kunst und Kultur

»Terz« ist ein Begriff aus der Musik, aber auch ein Synonym für »Krawall«. Eine ungewöhnliche Kombination. Terz heißt auch die Katze von Elena, der Künstlerin, und ihrem Mann, dem Musiker Nikolai, die es sich im Körbchen auf dem Tisch gemütlich macht. Das Künstlerpaar hat die Samtpfote vor rund einem Jahrzehnt adoptiert und später mitgebracht nach Praunheim, wo die drei mit der mittlerweile geborenen Tochter in einer von zwei geförderten Atelierwohnungen auf dem früheren Gelände der Praunheimer Werkstätten direkt an der Nidda leben. Und auch das ist eine ungewöhnliche Konstellation. Ein Großteil des Gebäudes ist ein Übergangswohnheim für geflüchtete Menschen. Elena und Nikolai organisieren gemeinsam mit dem Ehepaar der zweiten Atelierwohnung, der Sängerin Pariya Dharmajiva und dem Musiker Leon Lissner, kreative Aktionen, die sie dann mit den Bewohner*innen des Übergangswohnheims umsetzen. Kunst, Musik und Kreativität sowie soziales Engagement sollen einen Beitrag dazu leisten, dass diese Menschen ankommen können. So wie die beiden mit Kind und Katze.

Seit ihrem Einzug sind bereits neun Jahre vergangen. Früher hatten sie auch ihre Arbeitsräume direkt in der Wohnung. Das hat sich geändert, denn Elena und Nikolai haben mit Pariya und Leon die Kunst- und Musikwerkstatt (KUMU) Praunheim gegründet und damit ihren (Haupt-) Arbeitsort ein paar Straßen weiter verlegt. »Unsere Situation hat sich mit der Geburt unserer Tochter verändert und wir brauchten Platz fürs Kinderzimmer«, sagt Nikolai Muck. Die neuen Räume geben jetzt überhaupt mehr Platz. Nikolai Muck hat seinen Musikraum. Gitarren zieren die Wände: ganz klassische Konzertgitarren, aber auch E-Gitarren in Schwarz und Ukulelen. Er arbeitet oft mit anderen Musikern oder Künstlern zusammen. Etwa mit Klaus Schneider, für den er Haiku-Gedichte vertont hat. Er begleitet aber auch Sängerinnen und Sänger bei ihren Liedern oder komponiert experimentelle Jazz-Musik. Sein Schwerpunkt liege aber derzeit auf Gitarrenunterricht und Workshops. Gleich nebenan ist das Atelier seiner Frau, der Künstlerin Elena Kotikova-Muck. Einige ihrer grafischen Arbeiten liegen auf einem Tisch. Sie bereite gerade eine Ausstellung vor. »Wir setzen auch weiterhin unsere kreativen Angebote im Übergangswohnheim um, bringen die Kinder- und Jugendlichen von dort aber nun auch in den Stadtteil hinein. Hierhin etwa, wo Elena Malworkshops im Freien anbietet oder die Kinder einfach so zu uns in die Kunst- und Musikwerkstatt kommen«, erzählt Nikolai Muck. Die Arbeiten gehen ineinander über. Gerade erst hat er mit einer Gruppe die Vertonung eines von ihnen gestalteten Stop-Motion-Filmes abgeschlossen. Wichtig sei ihnen, über die Workshops Menschen des Übergangwohnheims auch mit Bewohner*innen des Stadtteils zusammenzubringen. Das ermögliche ein gegenseitiges Kennenlernen und trage mit zur Integration bei. Kreatives Arbeiten überwinde darüber hinaus auch Sprachbarrieren. Das wissen beide aus eigener Erfahrung: Muck und seine Frau, die nach ihrem Master für Kulturwissenschaften in Russland 2011 nach Frankfurt kam, in der Mainmetropole Kunstpädagogik und Kunstgeschichte studierte. Zahlreiche Bücher in der KUMU, die in den Regalen aufgestellt stehen, zeugen davon, dass die Kunst an diesem Ort zu Hause ist.

Auch Elena und Nikolai sind längst in Praunheim »zu Hause«. Sie fühlten sich wohl und suchten zudem stets privat und in ihrer Arbeit die Verbindung zum Stadtteil. Quasi verinnerlichen sie damit das Konzept der Werkstätten, das durch die Vereine basis Frankfurt und KunstWerk Praunheim entwickelt wurde. Hier sollen Künstler*innen gefördert werden, die sich dafür entscheiden, mit geflüchteten Menschen zusammen zu leben und zu arbeiten. Elena Kotikova-Muck beschreibt ihr Zuhause in Praunheim mit den Worten »mitten im Leben«. Schon mit den ersten Veranstaltungen, welche die Künstler*innen im Übergangswohnheim umsetzten, habe es so viele Impulse gegeben von den Menschen, die dort leb(t)en. Kunst und Musik, sagt sie, ermögliche sich auszudrücken und Sprachbarrieren zu überwinden. Auch im eigenen Stadtteil sind die beiden angekommen. So beteiligten sie sich am Zehntscheunenfest oder dem Adventsmarkt und überlegten sich hierfür immer auch Aktionen zum Mitmachen wie eine Karaoke mit Live-Band oder Kunstworkshops. Einen Ort zu finden, an dem man sich wohlfühlt, sei auch das, was die Menschen im Übergangswohnheim suchen. Mit ihren Kunst- und Musikprojekten trägt das Paar dazu bei (alf.)

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