Stille, starke Partner

Im Großen wie im Kleinen

Die Hessische Kulturstiftung

Ganz groß und ganz klein – Auf kaum einen Förderpartner für Kulturschaffende in Hessen trifft diese Bandbreite derart zu wie auf die Hessische Kulturstiftung. Aus diesem Hause stammen und stammten sowohl Hessens renommierteste Auslandsstipendien als auch viele kleine Hilfsstipendien der Corona-Zeiten. 

Schon der Besuch auf der Website der Hessischen Kulturstiftung macht in diesen Tagen Lust auf Reisen. Ein Link führt ins ferne Japan, in die alte Kaiserstadt Kyoto. Kirschblüten, viel Grün, hügelig-bergige Landschaft im Hintergrund. Mittendrin ein Backsteinbau mit etwas extravagantem Schieferdach. »Künstlerresidenz Villa Kamogawa« steht dort zu lesen. Und darunter der Satz: »Kunst lebt, wo Künstler*innen leben«. Die Villa – Sie ist der Sitz des Goethe-Instituts in Kyoto und zugleich der Gastort für eines der ambitioniertesten Residenzprogramme, welche in Deutschland an Bildende Künstler*innen wohl vergeben werden. Vergeben werden sie von der Hessischen Kulturstiftung, die solche Residenzen alle zwei Jahre für die beiden folgenden Jahre ausschreibt. Die Villa Kamogawa ist dabei 2027/28 neu im Programm neben London, New York, Paris und Istanbul.

»Die Reise- und Residenzstipendien sind sicher jene Programme, für die wir unter Kunstschaffenden der Region am bekanntesten sind«, sagt die langjährige Leiterin der Stiftung, Eva Claudia Scholtz. Kunststück, könnte man in diesem Falle doppelsinnig sagen. Die Adressen der einzelnen Stipendienorte sind in aller Regel erste Adressen. In London, Paris oder Rom sind es sogar langfristig gepachtete oder gar eigene Immobilien, welche die Stiftung teils schon vor Jahrzehnten erwarb (und die ihr damit nicht von ungefähr ein gewisses finanzielles Rückgrat und eine gewisse Unabhängigkeit sichern). Und die drei bis zwölfmonatigen Stipendien sind jeweils mit Beträgen zwischen 12.500 und 25.000 Euro dotiert. In Kyoto, wo es eine Partnerschaft mit dem Goethe-Institut gibt, etwa handelt es sich um ein gemischtes Residenz- und (anschließendes) Reisestipendium von insgesamt sechs Monaten in Japan, das mit 15.000 Euro ausgeschrieben ist. Istanbul und Kyoto, so Scholtz, seien dabei Experimente, für die zudem die Sprache nicht vorausgesetzt, ein Grund-Sprachkurs in Türkisch oder Japanisch allerdings durchaus Pflicht ist.

Klein ist dieses Programm nicht gerade. In den bisher rund dreieinhalb Jahrzehnten dieser Stipendien wurden bereits rund 230 Künstler*innen mit rund 7,5 Millionen Euro gefördert. Gelder, die aus dem ursprünglichen Stiftungsvermögen von gut 10 Millionen Euro erwirtschaftet wurden (die Stiftung darf nur die Erträge sowie teils Gelder aus Zustiftungen und Mittel aus jährlichen Zuwendungen des Landes ausgeben). Bewerben können sich auf diese Stipendien, zu denen neben den Residenzen auch freie Reisestipendien gehören, allerdings ausschließlich Kulturschaffende »bildnerischer Medien« mit Bezug zu Hessen. »Dies ist unser Auftrag«, sagt Scholtz. Kultur, Kulturorte und Kulturschaffende in Hessen mit Angeboten zu unterstützen. Das kann – wie in diesem Jahr geschehen – eine Förderung für die Keltenwelt auf dem Glauberg oder die Unterstützung des Ankaufs eines »Jawlenskys« durch das Museum Wiesbaden sein. Die Förderung von Institutionen der Kunst und Kultur vom Museum bis zum Kunstverein ist eigentlich der Kern der Stiftungsaufgabe. Oder, wie es in der Satzung heißt: »Ihr obliegt insbesondere die Förderung von Museen, Bibliotheken und Archiven durch den Erwerb und die Sicherung besonders wertvoller Kulturgüter, Kunstgegenstände und Sammlungen mit herausragender Bedeutung.«

Als einer der wenigen großen Förderer kann die Stiftung auch ausdrücklich Publikationen unterstützen. Daneben kann sie auch Ausstellungen und sogar einzelne Kulturschaffende, etwa im Rahmen jener in den 90er Jahren eingerichteten Stipendienprogramme fördern. Und zuweilen kommen auch mal solche Förderaufgaben hinzu, für welche die Hessische Kulturstiftung wohl noch mehr als für ihre ambitionierten Residenzen und Reiseprogramme bei der breiten Masse der Kulturschaffenden im Lande bekannt geworden ist. Mitten in der Corona-Pandemie wurde die Stiftung vom Land ausgewählt, mit ihrer Erfahrung eines der breitesten Hilfsprogramme in der Geschichte des Landes für Kulturschaffende aller Sparten umzusetzen. Mit speziell für die damals gebeutelte Kulturbranche geschaffenen Stipendien im meist vierstelligen Euro-Bereich wurde eine unbürokratische Hilfe für aktuelle Projekte eingerichtet, das damals eine große Zahl erreichte (obwohl zeitweise gar nicht alle Gelder abgerufen wurden). Ein Programm, das die kleine Stiftung mit einigen wenigen Leuten aber auch hart an den Rande ihrer Kapazitäten gebracht hatte. Heute können sich – neben den mehr oder minder großen »Institutionen« – vor allem kleine, gemeinnützige Kunstvereine und über die Stipendienprogramme auch Einzelkulturschaffende an die Stiftung wenden. Ein besonderes, satzungsmäßiges Augenmerk gilt zudem der künstlerischen Nachwuchsförderung. Groß und klein – das scheint auf allen Ebenen das Programm der Stiftung auszumachen (vss.).

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Mehr Infos:

Mehr zur Hessischen Kulturstiftung: Website (Link), Satzung (Link), Reise- und Residenzstipendien (Link/Link Zusammenfassung)

Die Reihe »Stille, starke Partner« stellt in loser Folge Fördereinrichtungen aus der Rhein-Main-Region vor und legt dabei ein besonderes Augenmerk auf ihr Engagement für kleine Vereine und einzelne Kulturschaffende

Aus dieser Ausgabe: