Die. Kultur. Schaffenden.

Demokratische Grundpfeiler

Gastbeitrag von Susanne Völker

Das Bild spricht mit mir. Die Melodie berührt mich. Die Skulptur ist ein Statement. Drei Aussagen, die im Grund genommen das Gleiche sagen: Ein Bild (ein Ton, eine Skulptur) sagt mehr als 1.000 Worte. Wenn ich in den vergangenen fast eineinhalb Jahren durch die Region gefahren bin, bin ich vielen solcher Bilder, solcher Töne, solcher Skulpturen begegnet. Und mit ihnen den vielen Kulturschaffenden, die diese im wahrsten Wortsinn geschaffen haben. Gerade in diesen Zeiten der Krisen und der Gefahren für Demokratie und Gesellschaft wird diese Fähigkeit, abseits der Argumente Menschen emotional zu erreichen, immer wichtiger.

Das Bild, der Ton, die Skulptur – Das sind die Werke, Werkzeuge und Wirkungsebenen von Kulturschaffenden. Gerade wenn starke politische Zentrifugalkräfte wirken, sind Kulturorte, ihre Akteurinnen und Akteure sowie ihre Programme für kulturelle und gesellschaftliche Bindungskräfte unerlässlich. Sie sind weit mehr als Veranstaltungsräume. Sie sind Plattformen für kreative Prozesse, gesellschaftlichen Austausch und regionale Identität. Durch ihr Engagement tragen die Orte und die Menschen darin wesentlich dazu bei, dass Frankfurt-Rhein-Main nicht nur ein wirtschaftliches, sondern eben auch ein kreatives, kulturelles und demokratisches Zentrum ist – und vor allem bleibt. Und gerade in der Kultur verstärkt sich dies gegenseitig: Durch Kooperationen, gemeinsame Projekte und den Austausch von Ideen entsteht ein dynamisches Netzwerk für die gesamte Region.

In den vergangenen eineinhalb Jahren habe ich viele solcher Orte erleben dürfen: die Centralstation in Darmstadt, den Club Voltaire in Frankfurt, die Kulturinitiative Maximal in Rodgau, den Jazzkeller in Rödermark, den Flörsheimer Keller, das Eschborn K, die Frankfurter Romanfabrik und das Produktionshaus Naxos. Dazu kommen mittlerweile die Bürgerhäuser wie in Dreieich und Schwalbach oder Stadtbibliotheken, beispielsweise in Hanau, Bad Vilbel und Hofheim. Sie alle sind es wert, gekannt, besucht und unterstützt zu werden. Und erst recht die Menschen, die hinter all diesen institutionellen Adressen stehen. Menschen, die Vernetzung und Zusammenarbeit als Schlüssel zu kultureller Vielfalt und Qualität verstehen – als Grundpfeiler gesellschaftlichen Miteinanders. Sie fördern täglich Dialog und Teilhabe, Vielfalt und Innovationskraft. Und: Sie bringen oft sehr viel Zeit und Herzblut mit ein.

Ebenso wichtige Ankerpunkte hierfür sind die Basis in Frankfurt als offenes Kunst- und Atelierhaus, das seit Jahrzehnten experimentelle Formate fördert, oder die Walkmühle in Wiesbaden, ein Ausstellungs- und Atelierort mit vielfältigen Themen und Anknüpfungspunkten. Die Landungsbrücken Frankfurt zeichnen sich ebenso durch eine einladende, kooperative und eben inspirierende Arbeitsweise aus wie das Atelier Wäscherei und das Scape°, beide in Offenbach. Doch auch abseits der bekannten Pfade wird man fündig: Das Kunsthaus Taunusstein ist zu einem wichtigen und vernetzten Ort für Kunst und Kultur in der Region geworden, und das Schanz in Mühlheim leistet ebenso einen substantiellen Beitrag zu dieser kulturellen Vielfalt. Jüngstes Beispiel: der WerkRaum Wiesbaden, der sich in dieser Reihe im Jahr der World Design Capital 2026 als zentraler und offener Kultur- und Netzwerkort in der Innenstadt der Landeshauptstadt etabliert. Sie alle schaffen Räume für Begegnung, Austausch und kreative Entfaltung und beweisen, dass Kultur nicht nur eine Frage der institutionellen Größe, sondern gerade auch eine des Engagements, der Haltung, der Leidenschaft und des Miteinanders ist. Und vor allem das Zeugnis der vielen engagierten Kulturschaffenden in der gesamten Region Frankfurt-Rhein-Main. Und das verdient nicht nur Dank, sondern auch Förderung. Die beiden Formen der Anerkennung.

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Die Autorin: Dr. Susanne Völker leitet seit Frühjahr 2025 den Kulturfonds Frankfurt RheinMain | Ed. Hinweis: Der Kulturfonds, einer der größten Kulturförderer der Region, unterstützt auch Urban shorts – Das Metropole Magazin 

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